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Dezember 13, 2022Wenn Sie online nach Wegen suchen, einen Mitarbeiter loszuwerden, sind Sie nicht allein. Die Suchanfragen dazu gehen in die Tausende. Was viele finden, sind Tricks, mit denen sich Geschäftsführungen unliebsame Mitarbeitende ohne Kündigung vom Hals schaffen. Einer davon hat einen Namen die Todesengel-Methode. Bevor jemand sie anwendet, sollte er wissen, was sie kostet, und welche Alternative dem Unternehmen teure Folgeschäden erspart.
Ein Fall aus der Praxis. Der Geschäftsführer eines mittelständischen Handelsunternehmens wirbt eine Key-Account-Managerin von seiner Werbeagentur ab und stellt sie als Marketingleiterin ein. Nach wenigen Monaten findet er, ihre Leistung stehe nicht im Verhältnis zu den Kosten. Er bereut den teuren Einkauf, will sie wieder loswerden, scheut aber das Arbeitsgericht. „Am besten wäre, sie würde selbst kündigen“, schlägt der COO vor. Beide entwerfen einen Plan. Den frei werdenden Job soll später ein junger, günstiger Verwandter übernehmen, eingelernt anhand der Screenshots, die die Kollegin vorher dokumentieren soll. Billig, schnell, fertig.
So funktioniert die Methode. Statt das Gespräch zu suchen, zerstört man gezielt das Vertrauen, am wirkungsvollsten, indem man die Person im eigenen Team unbeliebt macht, ohne selbst in den Fokus zu geraten. Das Mittel: Man macht sie zum Überbringer schlechter Nachrichten, zum Todesengel. Alles, was eine Führungskraft normalerweise unbeliebt macht, übernimmt ab sofort die Person, die gehen soll. Kündigungen vollstrecken, Gehaltserhöhungen zurücknehmen, Abmahnungen aussprechen, Kritik übermitteln, Low Performer übernehmen. Die guten Nachrichten überbringt die Geschäftsführung selbst. Der Effekt stellt sich schnell ein. Schon die Durchwahl der betroffenen Person auf dem Display löst Unbehagen aus. Das Team geht auf Distanz, die Stimmung kippt. Wem Loyalität und Respekt wichtig sind, hält das nicht lange aus, und kündigt.
Die andere Seite derselben Geschichte. „Im letzten Job habe ich mich so ausgenutzt gefühlt, dass ich nervlich am Ende war“, erzählt die betroffene Marketingleiterin später. Genau deshalb war sie offen für den Wechsel. Sie kannte den Geschäftsführer aus Agenturzeiten und vertraute ihm. Der erste Eindruck der Geschäftsführung war familiär, loyal, fair. Sie gab eine sichere Stelle auf, war im Team beliebt, machte die Arbeit gern. Was dann geschah, beschäftigt sie bis heute. Sie kündigte ohne neue Anstellung. Aus Sicht des Vorstands ein voller Erfolg.
KernaussageWer Mitarbeitende mit Tricks loswird, spart kurzfristig ein Gehalt und zahlt langfristig mit Vertrauen, Wissen und Ruf. Die ehrliche Trennung ist nicht nur fairer, sondern auch billiger.
Was die Methode wirklich kostet. Die Rechnung geht selten auf. Die Arbeit bleibt liegen und wird umverteilt, die Leistung der übrigen Kollegen sinkt. Wissen geht verloren. Das Team erkennt das Muster und entwickelt Angst, als Nächstes dran zu sein. Illoyales Verhalten der Geschäftsführung wird zum Vorbild, Führungskräfte kopieren es. Die Unternehmenskultur kippt. Und wer so behandelt wurde, trägt das Misstrauen in den nächsten Job und in den Markt. Der Bewerbermarkt redet. Wie hoch dieser Preis tatsächlich ist, habe ich an anderer Stelle vorgerechnet: Fluktuation im Mittelstand ist kein Gehalts-, sondern ein Führungsproblem.
Was faire Führung stattdessen tut. Der ehrliche Weg ist im Moment unbequemer und über die Zeit günstiger. Offen ansprechen, warum die Zusammenarbeit nicht funktioniert. Auch bei persönlichen Gründen hat jeder Mensch ein klares Wort verdient. Alternativen prüfen, andere Aufgaben, reduzierte Stunden, angepasste Anforderungen. Bei der Neuorientierung unterstützen, bevor das Arbeitsverhältnis endet. Und wenn ein Fehler passiert ist, etwa eine Fehlbesetzung, ihn benennen. Irren ist menschlich, eine Entschuldigung ist eine Option.
Am Ende ist es eine Frage der Haltung. An jeder Trennung hängen Existenzen und Familien. Wie viel Verantwortung will eine Führung tragen, wie ehrlich ist sie mit sich und anderen? Wer den Konflikt scheut und verbrannte Erde hinterlässt, spart kein Geld. Er verlagert die Kosten nur dorthin, wo sie schwerer zu sehen sind: in Kultur, Ruf und Bindung.
ZusammenarbeitSie müssen sich trennen und wissen nicht, wie?
Eine Trennung lässt sich fair gestalten, ohne verbrannte Erde. Und sie lässt sich künftig vermeiden, wenn das Führungssystem Rollen und Maßstäbe klärt. Drei Wege, das mit mir anzugehen:
Erstgespräch anfragen
- Executive Coaching — Sparring für Geschäftsführer, um eine Trennung klar und ehrlich zu führen.
- Führungssystem — damit Fehlbesetzungen früh sichtbar werden und gar nicht erst eskalieren.
- Führungstraining — Klartext und Präsenz für schwierige Gespräche.
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