Die Generation Z überschätzt sich selbst.

Schauplatz Café. Business-Meeting mit Frühstück. Die Bedienung geht vorbei. Ich winke sie heran. Sie ist jung (21), mit ernstem Blick, Pearcings im Gesicht. Eigentlich sieht sie sympathisch aus, wenn sie nur lächeln würde. Spontan frage ich sie mit, ob ich ihr eine persönliche Frage stellen darf:
„Wenn ich Ihre Führungskraft wäre und von Ihnen verlangen würde, mit einem Lächeln aufzutreten, wie könnte ich Sie dazu zu motivieren?“
Sie reagiert selbstbewusst: „Ich lächle doch! Und außerdem ist das einfach mein Gesicht“, meint sie und blickt ins Leere. Als ich (völlig irritiert) nicht reagiere fährt sie fort. „Ich wurde so geboren. Ich kann ja schließlich keine Schönheits-OP machen. Dafür verdiene ich zu wenig. Und bis jetzt hat sich kein Kunde beschwert. Ich  mache gute Arbeit. Wozu sollte ich mir ein Lächeln bis zu den Ohren ins Gesicht kleben, wenn ich das nicht bin?“

Sprachlos sehe ich meinen Kollegen an. Er grinst und zuckt die Schultern. Noch lasse ich nicht locker. „Angenommen, es wäre mir als ihre Chefin wichtig. Wie könnte ich Sie trotzdem dazu motivieren?“ sage ich mit einem freundlichen, offenen Lächeln. Sie wiederholt einen ähnlichen Text, räumt aber ein, dass man über alles reden könne, wenn es der Chef verlange. Dabei verzieht sie keine Miene und bleibt überzeugt von Ihrer Sichtweise. Später steht sie hinter dem Tresen und tippt in ihr Handy. Außerdem lästert sie offensichtlich mit einer Kollegin über mich und bringt mir statt Milchkaffee einen schwarzen Kaffee. Als sie das Trinkgeld kassiert, zieht sie einen Mundwinkel nach oben. Ein Lächeln?

Wir fühlen uns bestätigt.

Die Generation Z ist anders.

  • 23 Jahre und jünger,
  • selbstbewusst und leistungsfähig,
  • aber nur bis zu der Grenze, die sie selbst bestimmen.
  • Sie pochen auf ihre Rechte und
  • bestehen darauf, bereits gut zu sein, wie sie sind.
  • Diese Menschen lassen sich nichts gefallen,
  • binden sich nicht an Unternehmen und
  • übernehmen ungern Verantwortung.

Das Beispiel lässt sich beliebig wiederholen, egal, welche Ausbildung oder Studium. Sie können es sich leisten, sagen Führungskräfte. Jobs gäbe es, wie Sand am Meer. Noch.
Denn die Frage ist, was passiert, wenn die Digitalisierung in den nächsten Jahren durchgreift und viele Positionen nicht mehr besetzt werden müssen.

Am Ende des Tages ist alles, wirklich alles, wofür wir arbeiten für Menschen gemacht.

  • Doch was bedeutet Mensch sein in der Zukunft?
  • Welche Leistungen wollen wir von Menschen geliefert bekommen?
  • Wieviel Verantwortung will ein Unternehmen für die Zukunft der jungen Talente übernehmen?
  • Und was passiert, wenn eine ganze Generation Technaholics zwischen digitalem Nirvana und sozialer Vereinsamung mit ihrer Identität kämpft?

Ja, wir holen die älteren Mitarbeiter zurück in Führungspositionen. Die Generation X kommt jetzt so richtig zum Zuge, wenn es um Verantwortung geht. Doch auch diese Generation hat die 40 längst überschritten. Das Vertrauen des Nachwuchses in sich selbst und das Umfeld hat Risse bekommen. Grund sind globale Unsicherheit, mangelhafte Vorbilder, eine Gesellschaft von Egoisten, unehrlich, manipulativ und kapitalistisch.

Kennen Sie den Roboter „Pepper?“ Der süße Messe-Spaßvogel löst in uns Empathie aus.
Wird die junge Generation noch die gleiche Empathie – Fähigkeit haben?

  • Was ist überhaupt Kindheit im digitalen Zeitalter?

Die emotionale Verarmung und Reduzierung auf Emoticons werden mehr und mehr zum Problem. Nicht nur für Gesellschaft und Unternehmen, sondern auch für den einzelnen Menschen. Bindung an sich wird schwierig. Verbindlichkeit, Verlässlichkeit….alles schwierig. Optionen werden offen gehalten. Der Fokus auf den eigenen Vorteil gerichtet, verharren die Kids im YouTube-Himmel. Stundenlang. Täglich.

Wer hat noch ein Gespür für Kunden oder Mitarbeiter, wenn die Babyboomer und Gen X dieser Welt in Rente gehen? Die Millenials sind zwar leistungsstark und zielorientiert, doch ihre Motivation beschränkt sich hauptsächlich auf Karriere, Geld und Freiheit.

  • Wie wollen wir der gefühlten Sinnlosigkeit eines Individuums begegnen. Durch noch mehr mediale Flucht?
  • Wer soll die Desillusionierung eines blutjungen Menschen heilen, der hofft, dass Beziehung über Kurz-Nachrichten an Tiefe gewinnt?
  • Ist die emotionale und energetische Inkompetenz nicht längst an allen Ecken und Enden spürbar?

Ich sehe ein großes Potenzial, ja, eine Notwendigkeit, dass gerade die erfahrenen Kompetenz-Träger in Unternehmen ihr Schatzkästchen von Empathie, Verständnis und Menschenkenntnis öffnen und weitergeben. Statt Ironie, Überheblichkeit und Abkapselung sollten wir alle gemeinsam den jungen Menschen eine menschliche Basis für Erfolg liefern.

Die Sicherheit in einem Universum aus Daten und medialer Manipulation. Die Geborgenheit in einer instabilen Welt. Die Zuversicht, dass auch nach uns noch ein Leben in Freude, Freiheit und Leichtigkeit möglich ist.

 

 

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