Obwohl wir alles dafür tun, eine Krise zu vermeiden, passieren sie doch. Die unerwarteten, unangenehmen Überraschungen im Leben. Sie ziehen einem den Boden unter den Füßen weg. Sachlich und zielorientiert zu denken wird dann schwer. Und der Alltag läuft weiter. Wer nicht auf Spur kommt, erntet über kurz oder lang negative Konsequenzen. Deshalb ist es wichtig, sich zu stabilisieren. Denn eine Krise ist auch immer eine Chance.

„Ich komme morgens kaum aus dem Bett. Schon bevor ich die Augen aufmache habe ich keine Lust mehr. Die Angst vor der Zukunft frisst mich auf. Und ich muss doch funktionieren“, beschreibt Agnes, Inhaberin einer Versicherungsagentur bei München ihre Situation. Sie ist nun seit sechs Jahren im Geschäft und hat viel Zeit und Energie in das Marketing Ihrer Leistungen investiert. Der Erfolg kam von Anfang an mit großen Schritten. Nach drei Jahren hatte sie einen Kundenstamm, der sie und drei Vollzeitkräfte versorgte. Der Erfolgskurs riss nicht ab. Sie baute sich ein eigenes Bürogebäude für Ihre Agentur und vermiete den Rest an andere Unternehmer. Alles lief wie am Schnürchen.

Eine Krise kommt immer unpassend

Bis sich ihr amerikanischer Mann von heute auf morgen von ihr trennte. Er verschwand buchstäblich aus ihrem Leben und kehrte zurück in die USA. Ein wahnsinniger Schock für Agnes und die zwei Kinder. Nun hat sie allein die Verantwortung für den Haus-Kredit und den Kredit auf die neu gebaute Agentur. Finanzielle Unterstützung von ihrem Mann ist nicht in Sicht. Dafür sitzt sie regelmäßig beim Anwalt und muss mit den hart formulierten Schreiben der Gegenseite klar kommen. Agnes steckt tief in der Krise. Sie ist verletzt, traurig, wütend und überfordert.

Krise ist etwas subjektives

Trennung, Jobverlust, Krankheit, Trauer, Konflikte, Dauerstress und andere Vorkommnisse können die Gefühle auf eine harte Probe stellen. Was im Kopf zu einer Krise wird, hängt allerdings vom Menschen selbst ab. Für den einen sind z.B. die Kündigung oder die Versetzung in eine andere Stadt ein normales Problem oder gar eine Herausforderung. Während ein anderer die Situation als bedrohlich und schwer zu verdauen empfindet. Je nach Schweregrad in der persönlichen Empfindung dauert das Auftauchen aus einer Krise mehr oder weniger lange. Nur eines ist sicher. Diese sieben Phasen muss jeder durchlaufen.

Nach dem Tief kommt das Hoch

Die ersten drei Phasen sind 1. der Schock, 2. das Leugnen und 3. die Trauer. Diese Phasen sind die Schlimmsten, weil sie einen in eine Art Nebel aus schlechten Gefühlen einhüllen. Von Wut über Erstarren oder Angewidert sein bis hin zu tiefer Traurigkeit ist alles dabei, was Energie raubt und zwar in schnellem Wechsel. Jetzt ist es gut, einige Zeit kürzer zu treten. Urlaub zu nehmen, eine Vertretung zu finden. Dinge nicht zu tun, die nicht dringend sind. Sich Zeit zu geben. Die gute Nachricht ist: Diese Phasen enden. Anfangs ist es extrem schwierig, Entscheidungen zu treffen oder zu funktionieren. Die Konzentration reicht vielleicht für die nächsten fünf Minuten, bevor der emotionale Nebel erneut aufzieht. Dann wird es eine halbe Stunde, ein halber Tag und schließlich startet Phase 4. Die Situation wird akzeptiert und ein erster Energieschub steht zur Verfügung. Den sollte der Krisengeschüttelte unbedingt nutzen, um aufzuräumen. Das bedeutet, sich klar zu werden, was man wirklich will, was nun zählt und worauf man sich in Zukunft fokussieren will. Gut ist es, alten Ballast loszuwerden, Dinge abzuschließen, Liegengebliebenes zu erledigen, loszulassen, sich zu bedanken, zu verabschieden, aufzuräumen im Leben.

Nach dem Hoch folgt das Tief

Denn die nächste Phase wird kommen. Rückschläge, Sorgen, Zweifel, Wut und das Bedürfnis, aufzugeben und sich zurückzuziehen. Wichtig ist, hier nicht Dinge einzureissen, die einem eigentlich doch wichtig sind. In dieser Phase werden Jobs aufgegeben, Mitarbeiter entlassen, Ehen beendet, aktivistisch Investitionen getätigt, Termine nicht eingehalten, Pflichten vernachlässigt. Das Umfeld wird mit den immer gleichen Geschichten überfordert. Die Gedanken drehen sich im Kreis. Das ist die Phase, in der die meisten finanziellen, menschlichen und persönlichen Verluste fabriziert werden. Nun ist es wichtig, während der Arbeitszeit, der Erziehung und in wichtigen Beziehungen auf Autopilot zu schalten und das Umfeld zu entlasten. Das funktioniert wunderbar, wenn man sich Zeiten einplant, in denen Wut und Frust Raum bekommen.

Werde emotionaler Zustandsmanager

Denn ein Gefühl dauert ist der Regel nicht länger als 3-5 Minuten, wenn ihm kein gedankliches Futter gegeben wird. Tatsächlich sind wir selbst diejenigen, die einen schlechten inneren Zustand künstlich verlängern, indem wir mit anderen darüber jammern, weitere schlechte Gedanken produzieren oder etwas tun, das die Situation noch verschärft. In dieser Phase ist es gut, weder viel darüber zu sprechen – außer mit psychologischen Fachkräften. Noch sollte aus einem negativen Gefühl gehandelt und entschieden werden. Das ist die Phase, in der ein Gefühl da sein darf, ohne dass es zu Handlungen führt.

Aufwärts geht der Weg

Eines ist gewiss. Der Weg führt durch die Angst in die Freiheit. Wenn Gefühle sich zeigen dürfen, ohne Verwüstung anzurichten, kann die Phase 6 starten. Hoffnung keimt, Begeisterung wächst, ein zweiten Energieschub wird frei gesetzt. In dieser Phase sollte der Fokus nach innen gerichtet werden, um dort aufzuräumen. Eine Krise ist nämlich eine Chance, wenn das Potenzial in ihr freigesetzt wird. „Hinterher ist man immer schlauer“, sagt der Volksmund. Nicht umsonst, denn eine schwere Lebenssituation macht auch stark und frei, klar und entschieden. Nun ist es an der Zeit, sich neue Ziele zu setzen und in Phase 7 überzugehen, der Neuorientierung und Prüfung der Werte. Hier darf experimentiert und getestet werden. Eine wunderbare Zeit, Innovationen zu nutzen, sich weiterzubilden, das Leben anders zu leben, als bisher und gespannt zu sehen, was passiert. Im Geschäft oder Job kann neuer Wind einkehren und die Vision noch einmal überarbeitet werden.

Am Ende steht die Freiheit

Denn Phase 8 lässt verblassen, was war. Nun ist der Neustart gemacht, die Energie ist wieder auf dem Höhepunkt und die Tiefpunkte sind selten. Normalität ist eingekehrt. Die Krise ist bewältigt und es ist Zeit, sich zu belohnen und zu erholen. Gedanklich sollte keine Energie mehr in die alten Themen investiert werden. Worte drehen sich nur noch um die positive Zukunft, statt um die Vergangenheit. Das tut auch dem Umfeld gut. Loslassen ist wichtig. Denn das Leben ist ein Auf und Ab und wer in sich ruht, wird die Stürme des Lebens leichter meistern.

Phasen einer Veränderung und Krise

  1. Schock/
  2. Leugnen
  3. Trauer
  4. Akzeptanz/Anpacken/1. Energieschub
  5. Rückschläge/Sorge/Wut/Aufgeben/Rückzug
  6. Hoffnung/ Begeisterung/ Lernen/ Aufräumen/ 2. Energieschub
  7. Überwindung/ Neuorientierung/ Experimente/ Werteprüfung
  8. Neustart/Loslassen/Klarheit/ positive Energie

Autorin:

Malaika Loher ist Motivationsexpertin und Persönlichkeitscoach. Sie schult Führungskräfte und unterstützt mit ihrer Online-Akademie Menschen dabei, erfolgreich und erfüllt zu leben. https://malaikaloher.de

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