„Ich habe versucht, einen Termin mit meinem Chef zu kriegen, aber der meldet sich nicht zurück. Scheint ihn nicht zu interessieren, wie es mir geht“, erklärt der Software-Spezialist nach inzwischen zwei Monaten Ausfallzeit mit diagnostizierter Depression. Krankgeschrieben ist er weitere drei Monate, vorerst. Einen Reha-Platz hat er noch nicht. Das System hält ihn hin, mit Medikamenten und der Bitte, zu Hause zu bleiben und zu warten. Er schämt sich und fühlt sich im Stich gelassen, von den Profis und seiner Firma, die ihn die letzten Jahre so hochgelobt hat für seinen Expertise.

„Aus den Augen, aus dem Sinn“

Solche Situationen lassen Mitarbeiter frustriert nach Alternativen suchen. Zurück in ihre Unternehmen wollen sie am liebsten nicht. Warum auch? Das Gefühl von Nutzlosigkeit, nicht dazu zu gehören, nichts mehr wert zu sein, ist überwältigend. Sie nehmen die rosarote Brille ab und erkennen, dass sie nur ein Rädchen sind, das einfach ausgetauscht wurde. „Mein Chef ist weitergezogen, hat mich ersetzt und will nichts mehr damit zu tun haben. Ich bin sozusagen nur eine Last auf der Payroll“, so der kranke Kollege. Und das erzählt er jedem, der es hören will.

Zahlten, Daten, Fakten

Aber sehen wir uns zunächst die Zahlen an: Die Entgeldfortzahlungen für kranke Mitarbeiter lagen in Deutschland 2006 bei rund 25 Milliarden Euro und stiegen bis 2017 auf schätzungsweise 60 Milliarden Euro. Berücksichtigt man die Überalterung der Gesellschaft, gestiegene Gehälter und stellt die von den BKK nicht mitgerechneten Kurzzeiterkrankungen ohne Attest dagegen, bleibt es doch ein gewaltiger Betrag. Die Hälfte aller Ausfallzeiten erfolgte durch schwerwiegende Krankheitsfälle. Hauptursachen sind Muskel- und Skeletterkrankungen, gefolgt von psychischen Erkrankungen. (Quelle https://www.iwd.de/artikel/krankenstand-in-deutschland-arbeitnehmer-fallen-laenger-aus-377618/)

Führungskräfte machen Stimmung

Im Zuge der Debatten um Arbeitgeberattraktivität, NewWork, Worklife oder War4talents ist dieses Verhalten von Führungskräften verwunderlich. Denn gerade jetzt wäre das „sich kümmern“ nicht nur hilfreich für die Genesung der bezahlten Arbeitskraft, sondern auch für die positive Außenwirkung des Unternehmens. Prüfen Sie doch mal, wie Sie im Unternehmen über Kollegen sprechen, die länger krank sind. Respektvoll oder bagatellisierend? Fallen Sätze wie: „Naja, das war eh klar, der war schon immer eine Prinzessin.“, „Mimimi“, „Also ich verstehe das nicht, mir würde das nicht passieren. Ist halt doch ein Weichei.“, „Kaum zwickt es im Kreuz, macht er krank.“, „Burnout, ha!, bezahlten Urlaub macht er….ich könnte mir das nicht erlauben, dann würde hier alles zusammenbrechen.“

Kollegen als Spiegel

Machen Sie sich bitte bewusst, solche Sätze spiegeln ihre eigene Überzeugungen wieder. Dürfen Sie krank sein? Was würde es für Sie bedeuten, wenn Sie ausfallen? Welche Einstellung haben Sie Menschen gegenüber, die nicht mehr arbeiten können? Eine Chance, mehr über sich selbst zu lernen, statt den Selbstwert durch das Abwerten anderer aufzupolieren. Hinzu kommt, dass Sie vielleicht in diesem Moment Sympathisanten finden, die ebenfalls auf dem „Nur die Harten kommen in den Garten“-Trip sind, statt dankbar, dass sie gesund und munter noch nie eine solche Lebenskrise durchstehen mussten. Die Sympathisanten könnten allerdings schnell zum Verhängnis werden.

Flurfunk funktioniert auch nach extern

Alles, was Sie sagen könnte nicht nur zum kranken Kollegen durchdringen, sondern macht auch intern Stimmung. Menschen sind sehr wankelmütig mit ihren Sympathien. Heute lächeln sie über Ihren Witz und morgen bezichtigen sie Sie bei Kollegen der Unmenschlichkeit. Sie erzeugen Angst und Scham bei denen, die vielleicht kurz vor dem Ausfall sind. Und glauben Sie nicht, dass es keine Auswirkung auf das Teamklima hat. Jeder Mensch ist im Normalfall 1-2 Mal pro Jahr richtig krank, mit Fieber und Ruhebedürfnis. Das Problem ist, dass wir das nicht respektieren und uns mit Medikamenten gedopt zur Arbeit schleppen. Nicht auskurierte Krankheiten führen langfristig zu Folgeschäden im Körper. Es muss einfach ok sein, krank zu sein.

Langzeiterkrankungen verhindern

Im Alter reagiert der Körper auf Jahrzehnte gelebter Ernährung, Bewegung, psychischer Belastung und Verschleiß. Wer als Arbeitgeber unterstützen will, kümmert sich um die Gesundheit der Mitarbeiter in allen Belangen. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist die eine Variante. Die andere ist Aufmerksamkeit, Zusammenhalt und hinter dem Menschen stehen. Sprechen Sie öfter mit den Kollegen über ihr Befinden. Hören Sie zu. Auch denen, die nicht so beliebt sind. Schon bevor jemand ausfällt. Sie müssen nicht zwingend deren Probleme lösen, aber gehört, gesehen und verstanden zu werden wirkt sich schon auf das Wohlbefinden aus.

Schmusekurs ist nicht gleich Profitverlust

Und damit das Unternehmen eben nicht zuviele Kollegen „mitschleppt“, die nicht perfomen, habe ich hier noch die 3 Erfolgsfaktoren, wie Sie in jedem Fall nicht nur den Krankenstand reduzieren, sondern auch erfolgreicher arbeiten.

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