Heute möchte ich Ihnen den so genannten Rezenzeffekt näher bringen, oder auch Nikolaus-Effekt. Er besagt, dass der letzte Eindruck stärker haften bleibt, als der Rest. Dieses Kurzzeitgedächtnisphänomen nutzen Werbung und Vertrieb, um sich im Gehirn des Kunden zu verankern. Sie bringen am Ende ein prägnantes Argument, das hängen bleibt und über das Gespräch oder den Beitrag hinaus nachhallt. Kennen Sie das? Sie gehen aus einem Gespräch und der letzte Satz ist noch im Ohr hörbar? Sie müssen sich zwingen, den Rest des Gesprächs noch hervorzuholen. Deshalb ist es kontraproduktiv, im letzten Satz noch ein Problem, einen Nachteil oder einen schlechten Witz anzubringen. Der andere merkt sich genau das.

In der Personalbeurteilung gilt der Effekt als Beurteilungsfehler. Falls eine Führungskraft zum Beispiel übers Jahr keine Notizen der Leistungen eines Mitarbeiters gemacht hat, wird sie bei der LBU am Ende fälschlicherweise nur das Verhalten der letzten Wochen heranziehen. Kein Wunder, nach 12 Monaten und vielen tausend Situationen mit Mitarbeiter, kann sich das Gehirn einfach nicht mehr erinnern. Selbst, wenn Sie keine „Akte“ zu jedem Ihrer Untergebenen haben, sollten Sie sich doch irgendwo aufschreiben, was Ihnen aufgefallen ist, mit Datum und genauem Vorgang nebst Vereinbarungen und weiteren Rückmeldungen. Sie denken vielleicht in der Situation, dass Sie sich das schon merken werden, kann Ihr Gehirn aber nicht.

In diesem Zusammenhang sei der Primäreffekt erwähnt. Der erste Eindruck bleibt haften und färbt das Urteilsvermögen noch stärker, als der Nikolaus-Effekt. Der erste Gedanke wird im Langzeitgedächtnis gespeichert und führt zu einer Art Störung der aktuellen Beurteilung. Ist der erste Eindruck z.B. „Diese Person ist berechnend manipulativ.“, wird jedes weitere, möglicherweise teamorientierte, freundliche, mitfühlende Verhalten der Person eher als strategisches Vorgehen zu einem egoistischen Ziel interpretiert. Ebenfalls ein Beurteilungsfehler.

Tipp

Seien Sie sich bewusst, dass Ihre „Meinung“ bzgl. anderer mehr über Sie aussagen, als über Ihr Gegenüber. In der Liebe tragen wir die rosarote Brille, im Alltag die der Konditionierung.

Stellen sie sich immer die Frage „Ist es wirklich wahr, was ich denke? Kann ich wirklich sicher sein? Könnte es nicht doch ein Beurteilungsfehler sein?“ Begeben Sie sich auf eine Position außerhalb Ihrer selbst und betrachten Sie die Fakten. Was genau wurde gesagt, was dichtet Ihr Gehirn dazu? Welche Emotionen wurden mitgeteilt, welche haben Sie hineininterpretiert. „Ich bin sicher, dass er /sie das so gemeint hat….“ Wirklich?

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